
Compready hat sein Tuning-Werkzeug Hypertune allgemein freigegeben: Die Software übertaktet CPU und Grafikkarte automatisch und kostet 9,99 US-Dollar im Monat. Intel liefert die Technik, die eigenen Messwerte bleiben hinter der Werbung.
Compready hat sein Übertaktungswerkzeug Hypertune nach einer achtmonatigen offenen Beta mit mehr als 60.000 Teilnehmern allgemein freigegeben. Zielgruppe sind laut Firmengründer Austin Copeland ausdrücklich Spieler, welche noch nie ein BIOS- oder UEFI-Menü von innen gesehen haben. Wer Taktfrequenzen, Spannungen und Speichertimings bislang selbst ausgelotet hat, bekommt damit jetzt dieselben Stellschrauben nun als Dienstleistung mit Laufzeit.
Auf welchem Niveau ein modernes Intel-System bereits ab Werk steht, zeigt der große PCGH-Intensivtest zum Core Ultra 9 285K. Unabhängige Nachmessungen zu Hypertune fehlen bislang vollständig. Auch der beworbene Spitzenwert taucht in den eigenen Messreihen des Anbieters nirgends auf.
Auto-OC von CPU und Grafikkarte gegen Monatsgebühr
Hypertune bündelt insgesamt fünf Module hinter einer Schaltfläche: CPU-Übertaktung über das Entwicklerwerkzeug von Intels Extreme Tuning Utility ("XTU"), GPU-Übertaktung samt Speichertakt, Spannung und Power-Limit, Optimierung der Windows-Einstellungen, Netzwerkkonfiguration sowie spielspezifische Profile im "Game Hub". Anstatt fertiger Profile für ein bestimmtes Modell prüft die Software laut den Herstellerangaben sämtliche Komponenten und stimmt den Takt auf das konkrete Silizium ab.

tel steuerte Entwicklerressourcen bei und stellt den Konzernnamen für das fertige Produkt zur Verfügung. Dan Ragland, Senior Principal Engineer bei Intel, wird in der Pressemitteilung mit dem Satz zitiert, man habe das XTU-SDK genau für solche Anwendungen geöffnet. Hypertune hat gewissermaßen den Segen Intels.
Verfeinert wurde die Logik gemeinsam mit dem Overclocking-Profi Pieter Plaisier alias "SkatterBencher". Sämtliche Eingriffe sollen sich per Klick zurücknehmen lassen und mit bekannten Anti-Cheat-Lösungen wie Riot Vanguard, Easy Anti-Cheat und BattlEye vollständig kompatibel sein. Spieler müssen also keinen Bann fürchten.

Widersprüchlich sind die Angaben zur unterstützten Hardware. Die Feature-Seite nennt offizielle Toolkits von Intel und AMD, die FAQ derselben Website hingegen beschränkt das automatische Overclocking dagegen auf Grafikkarten und Intel-Prozessoren.
Intels eigenes Zitat spricht ebenfalls ausschließlich von Spielern auf Intel-Plattformen. Copeland wiederum erklärte gegenüber GamesBeat, die Plattform unterstütze derzeit jede am Markt erhältliche Hardwarekonfiguration. Im Mai 2026 war zudem von einer Partnerschaft mit AMD und Intel die Rede.
Drei Höchstwerte für dieselbe Software
Für Hypertune kursieren drei unterschiedliche Spitzenwerte: 60 Prozent in der Pressemitteilung, 41 Prozent auf der Produktseite und 28,2 Prozent als bester Wert der selbst veröffentlichten Benchmarks. Gemessen hat der Anbieter auf zwei Systemen.
Ein Core Ultra 9 285K ("Arrow Lake") mit Geforce RTX 5090 ("Blackwell") legte in "Tomb Raider" um 28,2 Prozent und in "Homeworld 3" um 18,9 Prozent zu. Ein Core i7-14700K ("Raptor Lake Refresh") mit Geforce RTX 3080 ("Ampere") schaffte 9,8 Prozent in "Rainbow Six Siege" und 4,3 Prozent in "Marvel Rivals".
Anmerkung: Diese Werte entstanden laut der Website Tom's Hardware mit abgeschaltetem "Game Hub".

Mit aktiviertem Game Hub steigen die Ergebnisse deutlich, weil die Software die Grafikeinstellungen absenkt. Das ist keine Übertaktung, sondern derselbe Effekt, den jeder Spieler kostenlos im Optionsmenü erzielen kann.
Weil Takt, Windows-Dienste, Netzwerkeinstellungen und Spieloptionen in einem einzigen Durchgang verändert werden, lässt sich den veröffentlichten Zahlen ohnehin nicht entnehmen, welcher Eingriff welchen Anteil am Bildratenplus hat.
Ein Abo für Werkzeuge, die Intel seit Jahren verschenkt
Hypertune kostet 9,99 US-Dollar im Monat. Für die Jahreslaufzeit weist die Bestellseite am 11. September 2026 einen Preis von 69,99 US-Dollar aus. Pressemitteilung und ein Teil der internationalen Berichterstattung nennen dagegen 59,99 US-Dollar; die auf der Seite ausgelobte Ersparnis von 42 Prozent passt rechnerisch nur zum höheren Betrag. Wer monatlich zahlt, kommt auf knapp 120 US-Dollar im Jahr. Sieben Tage lang lässt sich Hypertune kostenlos testen.
Wem die Automatik nicht genügt, kann für rund 80 US-Dollar eine Fernwartungssitzung buchen, bei der ein Techniker per Discord durchs UEFI führt. Für eine dabei mögliche Neuinstallation von Windows veranschlagt der Anbieter etwa sechs Stunden.

Die zugrunde liegenden Werkzeuge sind kostenlos verfügbar. Intels Extreme Tuning Utility beherrscht automatisches Tuning seit Jahren ohne Gegenleistung, AMDs PBO, also Precision Boost Overdrive, ist ein Schalter im UEFI, und der MSI Afterburner übertaktet Grafikkarten seit anderthalb Jahrzehnten kostenlos.
Hypertune begründet das Abo damit, dass Windows-Updates und Spiele-Patches wöchentlich erscheinen und die Optimierungslogik laufend angepasst werden müsse.
Deutschland: Herstellergarantie erlischt, Preise nur in US-Dollar
Intels Herstellergarantie greift nicht, sobald ein Prozessor außerhalb der veröffentlichten Spezifikationen betrieben wird. Der Konzern nennt in den eigenen Support-Hinweisen sein XTU ausdrücklich als Beispiel. Eine Absicherung dagegen gibt es seit dem 1. März 2021 nicht mehr: Zu diesem Datum hat Intel den Performance Tuning Protection Plan eingestellt, der defekte Übertakter-CPUs einmalig ersetzte.
Die gesetzliche Gewährleistung gegenüber dem Händler bleibt davon unberührt; in der Praxis entscheidet die Beweisfrage. Hinzu kommt eine Formalie: Hypertune rechnet ausschließlich in US-Dollar ab und bietet keine deutschsprachige Fassung.
Für Verträge, welche Verbraucher in Deutschland über eine Website schließen, schreibt der § 312k BGB einen Kündigungsbutton vor. Wer die Testphase startet, sollte vor Tag sieben prüfen, wo dieser Button liegt.

