Sony 1000X The Collexion im Test: In Edelstahl und Kunstleder gehüllter Klang
Verfasst: Mittwoch 20. Mai 2026, 15:48

Mit dem 1000X The Collexion bringt Sony zum 10-jährigen Jubiläum der 1000X-Kopfhörer-Serie keinen Nachfolger zum WH-1000XM6, sondern einen Premium-Over-Ear-Ableger, der neben dem XM6 auf den Markt kommt. Mit neuem Design mit viel Edelstahl und Kunstleder platziert er sich auch preislich deutlich über dem XM6.
Preis, Varianten und Marktstart
Der Sony 1000X The Collexion startet ab heute für 630 Euro in den Vorverkauf und wird noch im Mai ausgeliefert. Er ist wahlweise in Platin Weiß oder Schwarz erhältlich. Zu weiteren Farbvarianten, die später folgen könnten, ist bislang nichts bekannt. Der WH-1000XM6 verfügt zum Vergleich über eine UVP von 449 Euro und ist aktuell ab 359 Euro erhältlich. Teil des Lieferumfangs des 1000X The Collexion ist neben dem Kopfhörer selbst auch ein neues Reiseetui mit magnetischem Verschluss, in das der Kopfhörer mit gedrehten Ohrmuscheln gelegt wird. Es beherbergt auch ein 3,5-mm-Audiokabel und ist als kleine Tasche mit einem Griff gestaltet, wobei das Kopfband innen im Griff verläuft. Auch hier zeigt sich, der 1000X möchte gesehen werden.

Neues Design mit Edelstahl und Kunstleder
Komplett in Kunstleder gehüllt
Mit dem 1000X, der viel vom XM6 erbt, überarbeitet Sony das Design des Kopfhörers noch einmal vollständig. Äußerlich besteht er quasi nur aus Kunstleder und Edelstahl. Denn das Kunstleder erstreckt sich nicht nur auf Ohrpolster und Kopfband, sondern umschließt nun auch die gesamte Ohrmuschel. Löcher für die Mikrofone und Tasten sind nahtlos in das Kunstleder eingearbeitet. Nahtstellen sucht man – anders als beim XM6 – am gesamten Kopfhörer nun ohnehin vergebens.


Edelstahl für Scharnier und Kopfband
Der Ohrbügel und das Kopfband sind nicht nur optisch mit einer zusätzlichen äußeren Schale neu gestaltet, sondern auch komplett aus Edelstahl gefertigt. Auch dieses erstreckt sich vom Drehgelenk an der Ohrmuschel über die stufenlose Verstellung des Kopfbandes bis über das gesamte Kopfband hinweg – mal hochglanzpoliert, mal mattiert. Auch die Tasten sind beim 1000X The Collexion aus Metall.

Gewicht steigt auf 320 Gramm
Das sieht nicht nur auf Werbefotos deutlich hochwertiger aus als ein WH-1000XM6, es fühlt sich auch hochwertiger an. Einhergehend mit diesen Veränderungen erhöht sich aber auch das Gewicht. Statt rund 250 Gramm wie der XM6 bringt der 1000X rund 320 Gramm auf die Waage.
Eine IP-Zertifizierung gegen Wasser trägt der 1000X wie der XM6 weiterhin nicht. Sony nennt aber einen Temperaturbereich von 0 bis 40 °C für den Betrieb.
Die Ohrmuscheln werden dünner
Die in Kunstleder gehüllten Ohrmuscheln des 1000X The Collexion fallen dünner aus als beim XM6. Sie sind nur noch 40,1 mm dick, während sie beim XM6 noch 45,4 mm messen – jeweils mit zusammengedrückten Ohrpolstern. Mit entfalteten Ohrpolstern ist der XM6 rund 49,7 mm dick, der 1000X rund 44,2 m. Der Kopfhörer trägt also weniger auf, die Apple AirPods Max sind mit knapp 42 mm aber weiterhin etwas dünner. Das liegt auch daran, dass Sony nun die Platine nicht mehr hinter dem Audio-Treiber platziert, sondern in einem Halbkreis um den Treiber herum.
Die Ohrmuscheln selbst drehen sich um 90 Grad nach außen, anders als beim XM6, bei dem sie sich vollständig nach innen drehen lassen. Nach innen drehen sie beim 1000X ungefähr zu 75 Grad, sind also noch leicht gedreht, wenn man sie so um den Hals legt.
Mehr Platz für die Ohren
Gleichzeitig bietet der 1000X aber wieder mehr Platz für die Ohren. Im Inneren ist durch den veränderten Aufbau des Kopfhörers mehr Raum, so dass die Ohren nicht so schnell an die Innenseite stoßen. Die Stoffabdeckung in der Ohrmuschel liegt nun zudem flach an, während sie beim XM6 sehr viel lockerer sitzt. Die Aussparung der Ohrpolster selbst ist dabei kaum verändert. Sie misst beim 1000X circa 65 × 37 mm, beim XM6 sind es ungefähr 64 × 39 mm.
Mehr Tragekomfort
Zudem hat Sony den Tragekomfort auf einen möglichst angenehmen Sitz hin verändert. Der 1000X verfügt über weniger seitlichen Anpressdruck, ein breiteres Kopfband und weichere Ohrpolster als der XM6. Vor allem der Unterschied beim seitlichen Anpressdruck ist sofort spürbar. Der 1000X The Collexion drückt sehr viel weniger auf die Ohren. Das führt wiederum dazu, dass man ihm sein doch deutlich höheres Gewicht gar nicht sofort anmerkt.
Und auch rechts und links hat Sony beim 1000X The Collexion wieder klarer erkennbar gemacht, indem in den Ohrmuscheln wieder ein großes L und R prangt, die es beim XM6 nicht gibt.
Das Design des 1000X The Collexion fällt dank Kunstleder und Edelstahl edler aus als beim XM6, der auch nach außen viel Kunststoff zeigt. Im Detail, etwa beim Falten der Ohrmuscheln, muss man dafür aber auch wieder Abstriche in Kauf nehmen. Insgesamt stiehlt der 1000X The Collexion dem WH-1000XM6 aber klar die Show.
Technische Neuerungen beim 1000X The Collexion
QN3-SoC mit V3-Prozessor
Der 1000X setzt auch auf das QN3-SoC, verbindet ihn nun aber mit dem V3-Prozessor, während im XM6 noch die Kombination aus QN3 und V2 steckt. Während mit dem erneuten Einsatz des QN3 zunächst keine Veränderungen beim ANC und der Effizienz zu erwarten sind, sorgt der neue V3-Prozessor dafür, dass die 1000X nun Bluetooth 6.0 statt Bluetooth 5.3 nutzen.
Veränderungen bei den Audio-Treibern
Auch bei den Audio-Treibern gibt es Veränderungen. Eine neue Membran mit ausgerichteten Kohlenstofffasern soll durch eine höhere Steifigkeit für mehr Details in den Höhen sorgen und eine breitere Klangbühne erzeugen. Abgesehen davon wurden die Treiber von den WH-1000XM6 übernommen.
Kein USB-Audio und kein Passivbetrieb
Auch die 1000X unterstützen wie die XM6 kein USB-Audio, können also keine Tonsignale über den USB-C-Anschluss beispielsweise von einem verbundenen Smartphone oder PC empfangen. Neu ist jedoch, dass die 1000X auch keine passive Audiowiedergabe per Kabel mehr unterstützen, die der XM6 noch beherrscht. Spielt man Musik via Klinkekabel ein, muss der 1000X The Collexion demnach immer eingeschaltet sein.
Was jedoch erneut problemlos funktioniert, ist die Musikwiedergabe während der Kopfhörer über USB-C aufgeladen wird.
LE Audio mit LC3, AAC, SBC und LDAC
Bei der Funkverbindung setzt der 1000X The Collexion wie erwähnt auf Bluetooth 6.0, wobei erneut Multipoint unterstützt wird, so dass zwei Endgeräte gleichzeitig mit dem Kopfhörer verbunden sein können. Zwischen diesen lässt sich die Wiedergabe dann nahtlos wechseln, etwa um Anrufe auf dem Smartphone mit den Kopfhörern anzunehmen, während man gerade über sie einen Film auf dem Tablet guckt.
Bei den Audio-Codecs gibt es im Vergleich zu den XM6 keine Neuerungen. Der 1000X unterstützt LDAC, LC3, AAC und SBC. Für LC3 wird LE Audio unterstützt, was in der App aktiviert werden muss. In dieser kann auch festgelegt werden, ob LE Audio oder Bluetooth Classic bevorzugt werden soll. Nutzt man LE Audio, unterstützt der neue 1000X auch Auracast, mit dem Audioinhalte an mehrere Kopfhörer gleichzeitig gestreamt werden können und das langfristig in öffentlichen Bereichen und Museen eingesetzt werden soll. Wie der XM6 trägt auch der 1000X The Collexion dank der HD-Codecs wieder die Hi-Res-Audio-Zertifizierung.
LDAC unterstützt bis zu 990 kbit/s, 24 Bit und 96-kHz-Sampling. In der App kann der Nutzer erneut wählen, ob er „Priorität auf stabile Verbindung“ oder „Priorität auf Klangqualität“ legt, was die Wahl des Codecs beeinflusst. Bei „Priorität auf Klangqualität“ kann unter Android LDAC genutzt werden.
12 Mikrofone für ANC und Telefonie
Vom XM6 übernommen hat der 1000X die zwölf Mikrofone, 6 je Ohr, 2 nach innen und 4 nach außen gerichtet. Die Technik des ANC entspricht also auch in diesem Punkt beim neuen Modell der des XM6.
Für Telefonate nutzt Sony wie beim WH-1000XM6 auch beim 1000X sechs dieser zwölf Mikrofone mit Beamforming. Über die NC/AMB-Taste des Kopfhörers lässt sich das Mikrofon beim Telefonieren auch wieder jederzeit stummschalten. Nutzt man das eben erwähnte LE Audio wird die Bandbreite des Audiosignals für Telefonate verdoppelt. Wer häufig mit dem 1000X telefoniert, sollte dies deshalb aktivieren.
360 Reality Audio Upmix für Filme, Musik und Spiele
Bietet der WH-1000XM6 bereits 360 Reality Audio Upmix for Cinema, so ergänzt der 1000X dies um 360-Upmix-Modes für Spiele und Music. Auch für Musik und Spiele lässt sich somit nun ein virtueller Surround-Sound aktivieren, der dem jeweiligen Inhalt angepasst ist. Das Stereosignal wird in jedem der drei Modi vom Virtualiser auf mehrere Kanäle hochgemischt.
Der Effekt ist deutlich und sofort wahrnehmbar. Je nach Film, Musikstück oder Spiel ergibt dies einen sehr gelungenen Effekt, der den Klang vor allem deutlich öffnet und weiter klingen lässt. Gerade diese weitere, räumliche Klangbühne ist es auch, die die Modi von einem einfachen Equalizer-Preset unterscheidet. Und tatsächlich fallen die drei Modi auch sehr unterschiedlich aus. Upmix Film und Spiele sind für Musik überhaupt nicht geeignet, da sie zu dumpf klingen. Upmix Musik stellt hingegen die Höhen sehr viel breiter dar.
Sony hat den 360-Upmix-Modes auf dem 1000X eine eigene Taste an der linken Ohrmuschel spendiert. Die oberste Taste schaltet ab Werk zwischen Upmix Music und Upmix Cinema hin und her. In der App können zusätzlich Upmix Spiele und Hintergrundmusik als Modi aktiviert werden, die ebenfalls durchgeschaltet werden sollen. Die Auswahl über die Taste wird jeweils von einer kurzen Ansage, welcher Modus gerade gewählt wurde, begleitet.
DSEE Ultimate statt DSEE Extreme
Auch bei der Digital Sound Enhancement Engine (DSEE) gibt es beim 1000X The Collexion gegenüber dem WH-1000XM6 eine Veränderung. Nutzt der XM6 DSEE Extreme, so kann der 1000X auf DSEE Ultimate zurückgreifen – als erster Kopfhörer überhaupt.
Grundsätzlich versucht DSEE durch Komprimierung verloren gegangene Frequenzen wiederherzustellen. Eine Art Upscaling-Technologie für Musik. Die Extreme- und Ultimate-Variante von DSEE nutzen eine Deep-Neural-Network-gestützte AI-Technologie, um in Echtzeit beispielsweise die Instrumentierung und den Musikstil zu erkennen und daraus abgeleitet Frequenzen wiederherzustellen. Die Funktion kann in der Sound-Connect-App von Sony ein- und ausgeschaltet werden.
Die größten Unterschiede ergeben sich, wenn man DSEE Ultimate beim Einsatz von Hi-Res-Audio aktiviert. Auch wenn der Effekt der Technik sofort hörbar ist, ist nur schwer herauszuhören, ob wirklich Frequenzen ergänzt oder diese nur unterschiedlich repräsentiert wiedergegeben werden.
10-Band- und Gaming-Equalizer und Background Music
Auch beim 1000X The Collexion bietet Sony einen 10-Band-Equalizer in der App, wobei die vorgespeicherten Presets angepasst oder neue, eigene erstellt werden können, die sich dann auch speichern lassen.
Auch der mit dem XM6 eingeführte Gaming-Equalizer ist beim 1000X wieder mit von der Partie. Der Gaming-Equalizer verstärkt die für Schritt- und Schuss-Geräusche üblichen Frequenzen, so dass Spieler Gegner besser wahrnehmen können.
Zudem bietet auch der 1000X den von den zuletzt veröffentlichten Sony-Kopfhörern bekannten Background-Music-Effekt. Mit ihm lässt sich Musik so abspielen, als würde sie leise im Hintergrund wiedergegeben. Besonders bei der Arbeit sorgt die Musikwiedergabe so für weniger Ablenkung, dudelt aber wie früher die Radios in vielen Büros im Hintergrund weiter.
Ambient Sound Modus
Auch der 1000X The Collexion beherrscht wieder die von Sonys Kopfhörern bekannte „Adaptive Geräuschsteuerung“, die in der Sound-Connect-App aktiviert werden kann. Mit ihr können Klang und Geräuschunterdrückung automatisch dem zuvor erlernten Ort und der Bewegung angepasst werden. So lässt sich im Zug beispielsweise automatisch ANC aktivieren, im Büro hingegen immer der Transparenzmodus. Welche Einstellung in welchem erkannten Modus genutzt werden soll, lässt sich in der App individuell sehr genau konfigurieren.
Kürzere Akkulaufzeit
Der Sony 1000X The Collexion bietet laut Sony 24 Stunden Akkulaufzeit bei aktivierter Geräuschunterdrückung. Das sind rund 6 Stunden weniger als der WH-1000XM6, bei dem Sony offiziell 30 Stunden Akkulaufzeit mit ANC angibt. Ohne ANC nennt Sony für den 1000X bis zu 32 Stunden.
Aufgrund der kurzen Testzeit lässt sich die Akkulaufzeit derzeit nur hochrechnen. Dies führt im Test mit aktiviertem ANC in unterschiedlich lauter Umgebung bei mittlerer Lautstärke zu einer erwarteten Akkulaufzeit von 25 Stunden.
Wird während der Wiedergabe kurz der Ein-/Ausschalter gedrückt, wird der aktuelle Ladestand in 10er-Schritten angesagt. In der App lässt sich auch eine genauere Prozentanzeige des Akkustands einsehen.
Touch und Tasten zur Steuerung
Bei der Bedienung geht der 1000X The Collexion keine neuen Wege, bietet für die 360-Upmix-Modi aber wie erwähnt eine zusätzliche Taste an der linken Ohrmuschel. Davon abgesehen setzt er wie der WH-1000XM6 auf eine Kombination aus Touch, Tasten, Kopfgesten und Sprache zur Bedienung.