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LibreOffice: Erste technische Details zum großen Umbau

Verfasst: Dienstag 2. Juni 2026, 16:06
von ww_michael
Die Document Foundation will LibreOffice in den Browser und auf Smartphones bringen. Ein erstes Strategiepapier skizziert fünf Entwicklungsstränge.

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Die Document Foundation (TDF) will LibreOffice strategisch in Richtung Browser, Smartphones und kollaboratives Arbeiten weiterentwickeln. Ein jetzt veröffentlichtes Strategiepapier nennt fünf Entwicklungsstränge: eine responsive Bedienoberfläche, eine Browser-Version auf Basis von WebAssembly (WASM), mobile Apps für Android und iOS, einen eigenen Dokumentenserver sowie Funktionen für die gemeinsame Bearbeitung von Dokumenten. Die Stiftung betont allerdings ausdrücklich, dass es sich um einen Strategieentwurf handelt – nicht um eine technische Spezifikation, einen Projektplan oder eine Produktankündigung mit festen Terminen.

Mit dem Vorstoß positioniert die TDF LibreOffice langfristig stärker als Alternative zu Microsoft 365 und Google Workspace. Das Papier formuliert das Ziel, eine glaubwürdige freie Alternative zu den beiden marktbeherrschenden Cloud-Office-Suiten aufzubauen. Anders als die Konkurrenz will die Stiftung dabei Web- und Mobilversion auf einer gemeinsamen Codebasis mit der Desktop-Version aufsetzen und ohne enge Bindung an einen einzelnen Cloud-Anbieter auskommen. Gleichzeitig bekräftigt die TDF erneut, dass LibreOffice in erster Linie eine Desktop-Anwendung bleiben soll.

Um Entwicklungsrisiken zu begrenzen, will die Stiftung das Vorhaben in mehrere unabhängige Teilprojekte aufteilen. Jede Initiative soll für sich nutzbare Ergebnisse liefern, auch wenn andere Bausteine der Strategie noch nicht fertig sind. Das soll die Abhängigkeiten zwischen den Komponenten reduzieren und das Risiko von Projektverzögerungen senken.
Browser-Version mit WebAssembly

Ein zentraler Baustein ist eine Browser-Version von LibreOffice. Dafür will die TDF auf einen bereits vorhandenen Prototyp setzen, der Qt 6 und WebAssembly nutzt. WebAssembly führt native Anwendungen in einem kompakten Binärformat im Browser aus. Anders als bei vielen heutigen Cloud-Anwendungen soll dabei ein möglichst großer Teil der Verarbeitung lokal auf dem Endgerät stattfinden und nicht auf einem zentralen Server.

Dieser Ansatz könnte nach Vorstellung der TDF mehrere Vorteile bringen. Da die Anwendung weitgehend auf dem Endgerät läuft, fallen die Anforderungen an Serverressourcen geringer aus als bei vielen vergleichbaren Cloud-Diensten. Das soll vor allem für Selfhosting- und On-Premises-Szenarien attraktiv sein, in denen Datenschutz, digitale Souveränität und Betriebskosten eine wichtige Rolle spielen.

Begleiten soll die Browser-Version eine neue responsive Oberfläche. Die Stiftung plant einen optionalen Modus, der sich an Bildschirmgröße und Eingabemethode anpasst und damit sowohl auf Desktop-Systemen als auch auf Touch-Geräten funktioniert. Auf kleineren Displays könnten selten benötigte Funktionen stärker in Menüs wandern, während häufig genutzte Werkzeuge leichter erreichbar bleiben.
Mobile Apps und Dokumentenserver

Parallel dazu sollen mobile Versionen für Android und iOS entstehen. Zunächst plant die TDF lauffähige Builds der Desktop-Anwendung für Android- und iOS-Emulatoren, die das Team anschließend Schritt für Schritt weiterentwickeln soll. Im selben Zug nennt die Stiftung iOS erstmals ausdrücklich als Entwicklungsziel. Statt einer eigenständigen mobilen Produktlinie soll möglichst viel Code mit der Desktop-Version geteilt werden, um Entwicklungs- und Wartungsaufwand zu reduzieren.

Darüber hinaus plant die Stiftung einen eigenen Dokumentenserver. Dieser soll sich leicht selbst betreiben lassen und enger mit der Desktop-Anwendung zusammenarbeiten. Das Vorhaben knüpft an die bestehende Unterstützung für Remote-Dateidienste an und soll den Umgang mit gehosteten Dokumenten vereinfachen. Die Serverkomponenten will die TDF so gestalten, dass sie sich einfach erweitern oder in andere Dienste integrieren lassen.
Zunächst klassische Kollaboration, später möglicherweise Peer-to-Peer

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die gemeinsame Bearbeitung von Dokumenten. Zunächst setzt die Stiftung auf eine klassische Client-Server-Architektur. Für die Entwicklung sollen zunächst direkte TCP/IP-Verbindungen zwischen LibreOffice-Instanzen zum Einsatz kommen. Später soll ein Dokumentenserver die Zusammenarbeit koordinieren und als Vermittler zwischen den Clients fungieren. Langfristig hält die TDF auch Peer-to-Peer-Ansätze für denkbar, bei denen Clients ihre Änderungen direkt untereinander austauschen. Das Papier bezeichnet dies jedoch ausdrücklich als langfristige Vision und verweist auf offene Fragen.

Die strategische Neuausrichtung begründet die Stiftung unter anderem mit veränderten Rahmenbedingungen für Cloud-Dienste. Steigende Hosting- und Energiekosten sowie neue Anforderungen an nachhaltigere Softwareentwicklung sprächen dafür, möglichst viele Rechenaufgaben auf die Endgeräte der Nutzer zu verlagern. Als Beispiele nennt das Papier Diskussionen um energieeffiziente Software sowie regulatorische Vorgaben wie den französischen Leitfaden RGESN zur ökologischen Gestaltung digitaler Dienste.

Organisatorisch plant die Stiftung außerdem zusätzliche Entwicklerkapazitäten sowie eine stärkere Formalisierung von Sicherheitsprozessen. Die Ankündigung nennt konkret unter anderem das CVE-Management sowie Werkzeuge und Dienste wie OSS-Fuzz und Coverity.

Erscheinungstermine für Browser-, Mobil- oder Kollaborationsfunktionen nennt das Papier explizit nicht. Viele der beschriebenen Ansätze sind bislang konzeptioneller Natur und ausdrücklich als vorläufige Überlegungen markiert. Dennoch zeigt der Vorschlag, dass dem erst letzte Woche angekündigte Kurswechsel bald konkrete Schritte folgen sollen.

(fo)