LibreOffice geht bei der Benutzeroberfläche seit Jahren einen anderen Weg als Microsoft Office. Mit der neuen Version 26.8 gibt es nun allerdings eine auffällige Annäherung.
Die grundlegende Optik von Microsoft Office, wie sie heute aussieht, wurde schon vor fast 20 Jahren entwickelt. Im Jahr 2007 wurden Word, Excel, PowerPoint & Co. auf das sogenannte „Ribbon“ umgestellt, also kontextbezogene Funktions- bzw. Menüleisten.
Seitdem sieht man statt eines schmalen Menüs ein breites Menüband in den Office-Programmen von Microsoft. Damals war das ein richtiger Aufreger, nach so langer Zeit haben aber die meisten Menschen damit ihren Frieden geschlossen.
Beim Open-Source-Programm LibreOffice ist das aber noch nicht so. In einem aktuellen Beitrag werden Vor- und Nachteile des Ribbon-Menüs in Microsoft Office besprochen. Dann gibt es eine überraschende Ankündigung.

Dabei wird kein einseitiges Bashing gegen Microsoft gefahren. Zuerst geht es um das, was das breite Menüband gut macht. So wird es als „gelungenes Design“ bezeichnet. Vor allem für Gelegenheitsnutzer sei es oft einfacher, Funktionen durch Stöbern zu entdecken, und für diese Nutzer erfüllt das Ribbon seine Aufgabe gut.
Jedoch hält man es bei LibreOffice für falsch, daraus zu folgern, dass das Ribbon die beste verfügbare Office-Oberfläche ist. Denn die gibt es faktisch nicht.
Eine für eine bestimmte Nutzergruppe optimierte Benutzeroberfläche sei naturgemäß für die anderen Nutzer weniger geeignet, etwa für:
Power-User, der gern mit der Tastatur arbeiten und keinen wertvollen Bildschirmplatz verschwenden wollen
Umsteiger, die klassische Menüs gewohnt sind
Nutzer, die auf spezielle Unterstützungs-Tools angewiesen sind
Nutzer mit einem kleinen oder niedrig aufgelösten Bildschirm

Die Strategie von LibreOffice sehe deshalb anders aus. Es bietet verschiedene Benutzeroberflächen. Standard ist bis heute das traditionelle Layout mit Menüs und Symbolleisten. Über „Ansicht“ und „Benutzeroberflächen“ lässt sich aber auch auf Registerkarten umschalten.
Dazu gibt es aber noch weitere Spielarten wie etwa den kompakten Modus mit Registerkarten, die gruppierte Symbolleiste, eine Seitenleiste sowie einen Modus mit einer einzigen Symbolleiste. Damit besteht eine große Auswahl für Nutzer.
Das aktuelle LibreOffice 26.8 bringt dazu eine wichtige Änderung und überrascht: Es wird eine verbesserte Benutzeroberfläche mit Tabs geben, ein Layout, das dem Ribbon von Microsoft recht ähnlich sieht. Erst also Kritik und dann pickt man sich genau diese Funktion für ein Update heraus?
Nicht ganz: Die Verbesserung erweitert die Palette an Optionen in LibreOffice nur, indem die Menüleisten eingefärbt werden, etwa in Blau für Writer oder Grün in Calc.
Die traditionelle Benutzeroberfläche mit Menüs und Symbolleisten soll aber eine voll unterstützte Variante bleiben. Nutzer sollen bei LibreOffice also weiterhin die Wahl haben, wie ihre Office-Oberfläche aussieht.

