Discord hat seine geplante Pflicht zur globalen Altersverifizierung zunächst auf Eis gelegt. Ursprünglich sollte das System im nächsten Monat für alle 200 Millionen monatlich aktiven Nutzer ausgerollt werden. Doch die heftige Kritik aus der Community und wohl auch das vermehrte Abwandern der eigenen Nutzer zu TeamSpeak, was dort zeitweise zu massiven Kapazitätsproblemen führte, zwangen die Entwickler jetzt wohl zu einer Verschiebung und einer grundlegenden Überarbeitung der Pläne.
Der Widerstand der Community entzündete sich vorrangig an den geplanten Verifizierungsmethoden: Die Plattform erwog, Nutzer per KI-gestütztem Video-Selfie oder einem Ausweis-Scan auf ihre Volljährigkeit zu überprüfen. Andernfalls würde der Account standardmäßig als Teenager eingestuft, womit der Zugang zu sensiblen Inhalten oder Servern mit Altersbeschränkung automatisch gesperrt werden würde. Die Aussicht, einem Gaming-Chat-Dienst das eigene Gesicht oder einen amtlichen Lichtbildausweis vorlegen zu müssen, stieß auf breite Ablehnung, zumal der Dienst im Oktober 2025 bereits selbst den Verlust von 70.000 Nutzerdaten öffentlich machen musste. Die Suchanfragen nach "Discord-Alternativen" schnellten in den vergangenen Tagen um über 10.000 % in die Höhe.
Discord-Mitgründer und CTO Stanislav Vishnevskiy räumte am Dienstag in einem Blogbeitrag offen ein, dass das Unternehmen bei der Kommunikation und Konzeption Fehler gemacht habe.
Die wichtigste Konsequenz: Der globale Rollout wird in die zweite Jahreshälfte 2026 verschoben. Discord verspricht zudem tiefgreifende Änderungen am System selbst: Wo gesetzlich möglich, sollen künftig nicht-identifizierende Methoden wie Kreditkartenprüfung zum Einsatz kommen, statt Gesichtsscan oder ID-Upload.
Discord trennte sich außerdem von seinem bisherigen Verifikationspartner Persona und will auf seiner Website fortan alle eingesetzten Anbieter mit vollständiger Transparenz über Datenhandhabung und Löschfristen offenlegen. Auch hat man inzwischen die Regel-Engine "Osprey" als Open Source veröffentlicht, um mehr Transparenz zu schaffen. Entscheidend ist zudem: Die automatische Alterseinschätzung soll für über 90 % aller Nutzer eine manuelle Verifizierung vollständig überflüssig machen. Lediglich die verbleibenden 10 % sollen eigenständig eine Verifikation machen müssen, wobei diese niemals den Zugang zum Account verlieren würden und Freunde, Direktnachrichten oder normale Sprachkanäle ohnehin von den Einschränkungen unangetastet blieben.
Ein vollständiges Zurückrudern ist die Verschiebung allerdings nicht. Wo Discord bereits gesetzliche Verpflichtungen hat – konkret in Großbritannien, Australien und Brasilien –, wird die Altersverifizierung per Gesichtsscan oder Ausweis weiterhin durchgesetzt. Die bereits eingeführten Teen-by-Default-Einstellungen bleiben global bestehen.
Nach Nutzer-Kritik Discord verschiebt Altersverifikation
- ww_michael
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